Rezensionen

Im Auge des Zebras von Vincent Kliesch

Titel: Im Auge des Zebras | Autorin: Vincent Kliesch | Verlag: Knaur | Erscheinungsdatum: 30.12.2021 | Seitenzahl: 368 | ISBN: 978-3-426-52666-8 | Altersempfehlung: k. A.

Klappentext
Wie kann jemand an mehreren Orten zugleich sein? Was physikalisch unmöglich erscheint, geschieht in ganz Deutschland. An verschiedensten Orten werden Teenager entführt, die Eltern kurz darauf ermordert. Und alle Taten werden zur selben Zeit und von derselben Person verübt. Komissarin Olivia Holzmann steht vor dem gefährlichsten Rätsel ihrer Karriere.

 
Zum Inhalt
Olivia Holzmann verfolgt einen Fall, bei dem Jugendliche verschwinden und die Eltern kurz darauf ermordert werden. Alle zur gleichen Zeit, vom gleichen Täter, in unterschiedlichen Städten. Olivia hat einen Zusammenhang gefunden und geht diesem nach – nicht, ohne dabei anderen Kollegen auf die Füße zu treten. Mit Hilfe einer ehemaligen Polizistin sowie des damaligen Kollegen Severin Boesherz verfolgt die Komissarin jede Spur. Gleichzeitig wird klar, dass der aktuelle Fall mit anderen Taten verwoben ist – unklar ist, wer hier welches Spiel spielt.

Fazit

Ehrlich gesagt hat mich das Buch bereits sehr früh verloren – an der Stelle, als Frau Olivia Holzmann als “der beste Ermittler des LKA” betitelt wurde. Ich habe dann noch bis Seite 182 durchgehalten. An dem Buch gibt es so einige Dinge, die mich stören, im folgenden eine kleine Auswahl.

Bereits die Autorenbeschreibung wirkt seltsam, da ausdrücklich erwähnt wird, dass Vincent Kliesch mit Sebastian Fitzek befreundet sei. Diese Art des Namedroppings empfinde ich als unangenehm und unnötig.

Im Buch kam der erste Stolperer recht schnell, als die Protagonistin Olivia Holzmann als “der beste Ermittler des LKA” beschrieben wurde. Sehr ungewöhnlich, eine weibliche Person mit einem maskulinen Artikel zu versehen und zu heutiger Zeit für mich ein Fauxpas. Dies zieht sich durch das Buch und wird durch die Aussage eines Hauptcharakters sogar noch auf die Spitze getrieben. Dieser unterteilt Menschen in Unsichere und Mündige. Erstere würden aus Angst heraus gendern und um öffentlich zu zeigen, dass sie auf der richtigen Seite stünden. Letztere hingegen würden sich sicher sein, dass z.B. beim Wort Bürger niemand auch nur daran denken würde, dass hier allein männliche Menschen gemeint wären. Der Mündige würde es einer Frau “sprachlich möglich” machen, “der beste Bundestagspräsident der deutschen Geschichte zu werden”. (S. 182) Bleibt die Frage, ob der Mündige nun auch für alle Menschen steht und warum der Frau hier mal wieder eine passive Rolle zukommt, denn ihr wird es ja von anderen “möglich gemacht”. In meinem Bekanntenkreis gibt es keine, die sich selbst als Bundestagspräsident beschreiben würde. Die Gender-Ausführung geht noch weiter und tiefer, ich konnte wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln. Ich habe das Buch nicht zu Ende gelesen, deswegen kann ich leider nicht sagen, ob das Thema noch einmal aufgegriffen wird. Da Herr Kliesch (übrigens Jahrgang 1974) jedoch bereits eingangs der HauptkomissarIN das -in entzieht, wage ich es zu bezweifeln. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren.

Darüber hinaus finde ich die Charaktere einfach nur anstrengend, oberflächlich, überzogen und größtenteils unsympathisch. Olivia Hozmann wird zunächst als taffe Frau dargestellt, die dann zu Hause bei ihrem Freund zu einem unsicheren Püppchen wird, nichts dagegen hat für ein schickes Haus als Fleischbeschau für einen Makler zu dienen und zu denken scheint, dass sie nur durch die Hilfe ihres väterlichen Freundes und Ex-Kollegens Severin Boesherz vorankommen könne. Dieser und dessen Sohn sind dann auch ein Thema für sich. Beide sind hochintelligent – Severin ist mit einem fotografischen Gedächtnis und einer sehr hohen Meinung über sich selbst ausgestattet. Sein Sohn geht der Frage nach, ob der Körpergeruch eines Menschen dessen Charakter widerspiegeln würde. Dies untersucht er, in dem er mit möglichst vielen Menschen das Bett teilt. Ich habe mich an eine Mischung aus der Serie Numbers und Patrick Süskinds Das Parfum erinnert gefühlt – nur in richtig schlecht.

Was mir gut gefiel war die Kürze der Kapitel und der Aufbau der Geschichte. Der Täter ist früh bekannt, man springt zwischen Charakteren hin und her und erhält somit verschiedene individuelle Sichtweisen auf das Geschehen. Auch, dass der Autor das Thema Kinderorganhandel (sehr kurz) aufgreift, ist mir positiv aufgefallen.

Ich empfehle das Buch nicht weiter.

 

Für dich vielleicht ebenfalls interessant...

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.